Montag, Oktober 10, 2005

Deutschland hat gespielt!

German Bowl XXVII: Braunschweig Lions vs. Hamburg Blue Devils 31:28
German Bowl
Und es gibt einen neuen Meister. Dieses Faktum ist nun eher wenig überraschen - dass es aber die Braunschweig Lions geworden sind, war dann ganz so klar auch wieder nicht. Mit fünf in Folge verlorenen Bowls sind die Löwen aus Niedersachsen gemeinsam mit den Ansbach Grizzlies deutscher Rekord-Vizemeister und es war anzunehmen, dass die Braunschweiger in dieser inoffiziellen Disziplin wohl nicht unbedingt alleiniger Führender sein wollten.

Bei den Lions ging mit der Saison 2005 der alter Erfolgstrainer aus vergangen Tagen, Kent Anderson, wieder ans Werk und gemeinsam mit dem neuen Defensive-Coordinator Gary Speilbuehler schaffte die Mannschaft den vierten Titel in Serie in der Nordliga. Die Braunschweiger verfügen rund um ihren QB Adrian Rainbow (der immerhin schon 1997 mit den Lions deutscher Meister geworden ist) seit Jahren über eine relativ stabile und erfahrene Kerntruppe, was sicherlich für die gesamte Mannschaft von Vorteil war, als während der gesamten Saison immer wieder das Verletzungspech zuschlug und die Lions schlussendlich bei der Bowl auf mehrere Stammspieler wegen Knieverletzungen verzichten mussten. Die Braunschweiger gelten als Offensive-Maschine und schafften es auch heuer wieder, in der GFL die meisten Punkte zu erzielen, wobei Adrian Rainbow (der so wie Shawn Olson von den Chrysler Vikings von der University of British Columbia, Canada kommt) bei 230 von 347 Pässen auf beeindruckende 2647 Yards und 35 Touchdowns bei nur 6 Interceptions gekommen ist. Der Top-Rusher der Niedersachsen war Sascha Gerasimov, der es nicht nur auf 1276 Yards und 8 Scores brachte sondern dabei auch noch einen überragenden Schnitt von 7,3 Yards per Carry aufweisen konnte.

German Bowl
Die Hamburg Blue Devils schafften es bislang auf vier gewonne German Bowls bei sieben Finalteilnahmen und konnten sich im heurigen Halbfinale erst in der Verlängerung gegen die starken Marburg Mercenaries durchsetzten. Der neue Headcoach der Hamburger, Joe Roman, ist als ausgewiesener Defensive-Spezialist bekannt, verfügt mit QB Dough Boughman, WR Julian Spohr oder RB John R. McNair auch über ganz ausgezeichnete Angriffsspieler. Im Gegensatz zu den Lions ist die Mannschaft noch relativ jung in ihrer Zusammenstellung. Nicht nur Baughman und McNair sind neu im Team, Coach Roman, der zuvor die Hannover Musketeers in der 2. Liga trainiert hatte, nahm gleich mehrere Spieler zu den Blue Devils mit und schaffte es dabei, in relativ kurzer Zeit ein funktionierendes Kollektiv auf die Beine zu stellen.

Einer spannenden und ausgeglichenen Partie stand also dem Papier nach nichts im Wege. Nur – vorher war noch kräftig Tailgating und Pregame-Show angesagt! Wenn unsere deutschen Freunde Endspiel feiern, pilgern jedes Jahr ca. 20.000 Zuschauer ins jeweilige Stadion, darunter auch immer wieder Fans und Football-Offizielle aus Österreich, wie etwa AFBÖ Präsident Michael Eschlböck und Chrysler Vikings Manager Alfred Neugebauer, die sich diesen Football-Event nicht entgehen lassen wollten. Die Voraussetzungen in Deutschland sind natürlich nur bedingt mit Österreich zu vergleichen. Unsere Nachbarn verfügen nicht nur über bessere und modernere Stadien, sondern auch einen Zuschauerandrang der ca. 4 bis 5 mal höher ist als hier zu Lande. Und trotz aller Football-Begeisterung in Österreich und der internationalen Erfolge der Vikings und Tyrolean Raiders muss man die katholische Kirche schon im hiesigen Dorf lassen. In Deutschland ist American Football in der öffentlichen Wahrnehmung doch noch einmal um einiges bedeutender und wohl auch professioneller organisiert als hierzulande. Dies sieht man dann bei Großveranstaltungen, wie der German Bowl, wenn es also darauf ankommt, dann schon recht deutlich. In Österreich schaffen es vor allem die Chrysler Vikings, Football-Events mit ähnlicher Ausstrahlung zu organisieren, weshalb sich Alfred Neugebauer auch zur German Bowl recht anerkennend äußerte: „Der Event war sensationell, das Stadion ein absoluter Hammer. Da können die österreichischen Spiestätten, selbst die der neuesten Generation nicht annähernd mithalten. Das wirkt sich natürlich entsprechend auf die ganze Veranstaltung aus.“

Wo geht’s lang?
Das Spiel selbst hielt dann tatsächlich, was es im Vorfeld versprochen hatte: Spannung und Ausgeglichenheit von Anfang bis zur letzten Sekunde. Obwohl es weder eine Interception noch einen Fumble gab, fehlte es dem Spiel nicht spektakulären Big Plays. Die Lions wirkten zu Beginn kompakter und entschlossener. Während die Hamburger mit ihrem ersten Drive nicht punkten konnten, schlossen die Braunschweiger ihren ersten Versuch durch einen 9 Yard-Pass von Rainbow auf Marcel Duft erfolgreich ab. Marcel Duft besuchte an diesem Abend als Receiver noch zwei mal die Endzone und wurde mit 113 Yards (bei nur 5 Catches) und 3 Tochdowns dann auch zum MVP gewählt. Danach konnten auch die Hanseaten durch einen 5 Yard-Pass von Baughman auf Toni Meinhardt ausgleichen. Im weiteren Verlauf verfolgten die beiden Mannschaften aber dann durchaus unterschiedliche Angriffsstrategien. Schlussendlich waren die Total-Offense-Yards sehr ausgeglichen (Hamburg 371 Yards, Braunschweig 360 Yards), wobei die Devils um sehr viel häufiger durch die Luft gingen als die Lions. Das Verhältnis zwischen Rushing Yards und Passing Yards war bei den Lions am Ende 195 zu 165 wohingegen die Devils nur 30 Yards (bei 26 Versuchen!) am Boden zurücklegen konnten und über 341 Yards durch die Luft angriffen. Die Passing-Rate wäre durchaus noch höher ausgefallen, wenn nicht auf Seiten der Devils-Receiver 5 Drops zu verzeichnen gewesen wären. Dieses Faktum, soviel kann vorweg genommen werden, war wahrscheinlich eines von drei entscheidenden Kriterien, warum es die Hamburger dann knapp nicht geschafft haben.

Das zweite Kriterium ereignete sich im letzten Drive der ersten Spielhälfte.

German Bowl
Nachdem die Lions durch eine TD-Reception von M. Duft 21 zu 14 in Führung gehen konnten, starteten die Blue Devils 59 Sekunden vor Ende der ersten Hälfte ihren Drive an der eigenen 24 Yard-Linie. Durch 5 präzise Passing-Plays auf Toni Meinhardt und Maximilian von Garnier (alle zwischen 9 und 24 Yards) führte Doug Baughman seine Offense in beindruckender Manier und ungeheuer souverän in nur 48 Sekunden über 75 Yards bis auf wenige Inches an die Endzone der Braunschweiger heran. Da war dann allerdings Schluss.

Der QB-Sneak blieb in der starken D-Line der Lions hängen, es war kein Timeout mehr übrig und die Uhr tickte runter auf Null. Wäre vor der Pause der Ausgleich gelungen, wären wohl auch die Hamburger nicht mit gesenkten Köpfen in die Kabinen gegangen.

Nachdem die Lions nach der Pause ihren Vorsprung durch ein 23 Yard Fieldgoal auf 10 Punkte ausbauen konnten gelangen dann die Scores wieder auf beiden Seiten und im letzen Viertels stand es 31 zu 21 für die Braunschweiger als aus Sicht der Hamburger der dritte Fehler passierte. Ein Fieldgoal-Versuch aus 36 Yards ging weit links daneben und die Lions waren wieder am Zug. Wer das Endergebnis des Spieles kennt, kann zurecht interpretieren, dass das die drei fehlenden Punkte zur Overtime waren.

Der nächste Drive der Braunschweiger musste schnell durch einen Punt beendet werden, die Hamburger konnten durch einen Rushing-TD von D.Baughman noch einmal auf 28 zu 31 aufholen, der Onside-Kick der Devils misslang, das Spiel war vorbei und Football-Deutschland hatte mit den Braunschweig Lions einen neuen Meister.

Dort geht’s lang!
Präsident Michael Eschlböck gratulierte den Lions nach dem Spiel, räumten aber auch ein, dass für die Blue Devils durchaus mehr drinnen gewesen wäre: „Ein knappes, spannendes Spiel, wobei Hamburg die Partie vor allem durch taktische Fehler wohl selbst aus der Hand gegeben hat. Da wäre sicherlich mehr möglich gewesen“. Vikings-Manager Alfred Neugebauer schloss sich dieser Meinung an: „Die Braunschweiger sind mittlerweile ein relativ altes Team wohingegen die Hamburger mit vielen jungen einheimischen Spielern überraschen konnten. Ohne den vielen Drops der Devils, wäre die Partie womöglich anders ausgegangen.“
Spannung versprach Eschlböck dann bereits für das Jahr 2006: „Interessant wird es im nächsten Jahr, da wir hoffentlich die Lions und die Blue Devils in europäischen Bewerben gegen österreichische Mannschaften spielen sehen werden“. Ein ereignisreiches Football-Jahr 2006 scheint somit bereits jetzt gesichert zu sein.

German Bowl
Scores:
Q1 07:00 Duft, 12y Pass Rainbow, PAT Rothaar
Q2 07:07 Meinhardt, 5y Pass Boughman, PAT Madsen
Q2 14:07 Duft, 23y Pass Rainbow, PAT Dölger
Q2 14:14 v. Garnier, 4y Pass Boughman, PAT Madsen
Q2 21:14 Duft, 40y Pass Rainbow, PAT Rothaar
Q3 24:14 Rothaar, 33y Fieldgoal
Q3 24:21 DeArmas, 2y Pass Boughman, PAT Madsen
Q4 31:21 Gerasimov, 10y Run, PAT Rothaar
Q4 31:28 Boughman, 1y Run, PAT Madsen




Braunschweig Lions vs. Hamburg Blue Devils 31-28 (7-0/14-14/3-7/7-7)
08.10.2005, Kickoff: 19.00h, AWD-Arena, Hannover, 17 C, 19.512 Zuschauer

Football-Austria.com Spielbewertung (max. 10 Balls)
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:
Frikadellen-Test: Nichts im Vergleich zu einem Fleischlaberl
German Bowl MVP:
Marcel Duft, WR Braunschweig Lions

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

wie ist denn eigentlich die Legionärs Regelung in Deutschland?

Anonym hat gesagt…

the buffettester: also punkto vip buffet sind die marmeladinger eindeutig zweiter. das buffet hatte den charakter einer betriebskantine mit 4 hauptsspeisen: 1. irgendwas mit curry, cock au vin (der wein alleine wäre besser gewesen) 3. wurst, 4. war nicht erwähnenswert. wenn die wüssten was es bei rapid und selbsst bei uns auf den teller gibt würden sie weinen :-))) aber sonst alles andere allererste sahne, mann!

Anonym hat gesagt…

guten morgen!! hat das spiel zufällig irgendwer aufgezeichnet und könnte mir ein kopie zukommen lassen?? video, dvd?? wenn ja dann bitte um kurze info an ctoninger@web.de!!

Anonym hat gesagt…

Imports in D: 2 Amis am Feld, 6 am Roster, wobei Amis für Ausser-Europäer steht... Also ein Afrikaner würde da auch reinfallen... E´s, also Europäer die nicht aus Deutschland sind dürfen theoretisch 3 sein (ohne Amis am Feld), oder einer mit einem Ami am Feld... Alles unklar? ;-)

Anonym hat gesagt…

Und diesen Dual-Passport-Schwachsinn gibt es nicht. d.h. Ami-Pass = Ami... Nix mit der Polnischen Ur-Groß-Tante, freundlicher seits... Oder dem deutschen Schäferhund...

Anonym hat gesagt…

nein

Anonym hat gesagt…

Aufzeichnung German Bowl:
diese wird am 13.10. ff auf NASN ausgestrahlt.

Anonym hat gesagt…

Aha die Raiders suchen wieder große Minis und Schüler......in den umliegenden Bergdörfern Innsbrucks werden dann die Mutanten rekrutiert

gggggggg

Anonym hat gesagt…

20.000 Zuseher, das wiederspricht deutlich der hier oftmals vertretenen Theorie, daß nur mit einer Vielzahl von Legionären attaktiver Football geboten werden kann.
Und ein Deutscher als MVP, beneidenswert...

Anonym hat gesagt…

die 20k kommen wohl auch weil Football durch die NFLE in den Medien einen ganz anderen Stellenwert hat als bei uns.

und in Städten wie Braunschweig und Hamburg gab es auch ohne NFLE sowas wei eine "Footballkultur" mit vielen vielen Fans....

amadeus hat gesagt…

hm lt eines Anwesenden waren es allerdings nur Geschätzte 12.000 , die 19.000 dürften wieder nur die Zuschauerzahlen für die Presse gewesen sein ...

... ist ja bei uns auch so daß immer a bisserl was dazugegeben wird ....

Aber im Norden war Football schon immer ein Thema und nachdem jetzt mit den Sea Devils auch noch ein NFLE Team in Hamburg dazugekommen ist, war ein "Zuschauerwachstum " zu erwarten ( zumal die Hamburg Blue Devils Fans ja ein Kombi Ticket GFL+NFLE kaufen konnten )

Anonym hat gesagt…

lol