Mittwoch, November 23, 2005

Larry, fahr den Wagen vor

Chiefs überfahren Texans

Kris Brown
Texans Kicker Kris Brown
Sein Fieldgoal war nur mehr Kosmetik
Foto: Walter H. Reiterer
Knapp über 70.000 Zuschauer befanden sich im Reliant Stadium zu Houston beim Ankick des NFL Matches der dort heimischen Texans gegen die Kansas City Chiefs. Bereits ab der Halbzeit leerte sich das Areal, den Schlußpfiff hat vielleicht noch ein Zehntel der Zuschauer mitbekommen - diese natürlich überwiegend in Rot gekleidet. Kansas Runningback Larry Johnson, eigentlich nur Backup des verletzten Priest Holmes, zerlegte die Texaner faktisch im Alleingang, stellte mit 211 rushing yards einen neuen Rekord für die Chiefs auf und erzielte dabei auch zwei Touchdowns selbst. Aufregender als das Match war für die Besucher aus Übersee sicher die Tailgate Party und der Event an sich.

Fotogalerien:
Tailgate Party vor dem Reliant Stadium
Houston Texans vs Kansas City Chiefs (Bilder vom Match)
Houston Texans Cheers

Die Texaner sind heuer die Prügelknaben der NFL und das sollte sich auch an diesem Tag nicht ändern. Erst ein Match (gegen Cleveland) konnte man gewinnen, kein einziges Mal konnte man mehr als 20 Punkte erzielen. Eine Offense ohne Spirit und Dampf, QB David Carr ebenso katastrophal, wie seine O-Line, lediglich Runningback Domanick Davis konnte in der Saison heuer ein paar Akzente setzen. Wenn er nicht grad verletzt war. Empfindliche Niederlagen gegen Pittsburgh (7-27), Seattle (10-42) und sogar gegen die ebenfalls nicht berühmten Tennessee Titans (20-34) zeigen klar wo die Defense der Texans steht. Nämlich an letzter Stelle.

So hatten die Chiefs wenig Probleme mit ihrem Gegner. Ein Fieldgoal von Lawrence Tynes und der erste Touchdown von Johnson – und nach 10 Minuten stand es bereits 0-10. Hoffnung machte den Einheimischen ein 99 yard Kickoff Return Touchdown von Jerome Mathis zum 7-10, aber diese wurde im zweiten Viertel zur Gänze der Vernichtung zugeführt. Neben Johnson der zweite Mann des Tages: Chiefs Receiver Eddie Kennison zum 7-17 (26 yard Paß von Trent Green), Larry Johnson zum Zweiten (7-24) und ein 57 Yard Interception Return Touchdown von Eric Warfield (7-31) machte klar wer Chef im Ring ist. Von den Texanern sah man weiland wenig. 3 & out so oft man dazu die Gelegenheit hatte.

Carrtastrophal
Bemerkenswert beim Interception Touchdown, Texans QB David Carr. Anstatt nach seinem Fehlpaß den heranstürmenden Warfield zu Tackeln, oder das zumindest zu versuchen, schüttelte er sein Haupt und gestikulierte Richtung Mitspieler und Team Area, als der Cornerback ihn völlig ungehindert passierte. Eventuell sieht man diese Szene ja am Freitag auf NFL Blast. Wäre der Mann ein Import in der AFL, wäre am Montag ein Flieger Richtung Heimat abgedüst. Mit ihm an Board versteht sich. Diese Einstellung dürfte aber signifikant für die Texans sein, denn Carr durfte nach seiner Arbeitsverweigerung weiter spielen, so weit halt sein Talent dazu reichte, denn man sah auch in Folge nichts mehr von dem Mann was erwähnenswert wäre, mit Ausnahme zweier Fumbles. Ein einziges mal nur wurde er gesackt, was für die O-Line der Texans Saisonrekord bedeutet. Ansonsten mußte der Mann immer mehrmals zu Boden. In fast jeder Fantasy Liga ist David Carr daher auch ein free agent. Wer will diese Carrtastrophe schon in seinem Team?

Zweite Halbzeit – Langeweile pur
Domanick Davis machte klar, daß es sich bei ihm um einen Klassemann in einem furchtbar schlechten Team handelt. Er verkürzte, trotz kaputten Knies, auf 14-31. Das sah kaum noch jemand, denn bereits zur Halbzeit leerte sich das Stadion. Kris Browns 22 Yard Field Goal brachte das Heimteam noch auf 17-31 heran, doch der letzte Spielabschnitt geriet wieder zum feierlichen Chefsalat in Rot. Chiefs QB Trent Green bediente seine Receiver Eddie Kennison und Samie Parker zum Endstand von 17-45, das Heimteam verkroch sich derweil vor den gellenden Pfiffen der verbliebenen Zuseher auf Ergometern (bin im Training), beim Üben von Pässen (bin sehr beschäftigt), oder beim Zählen der Gatorade Flaschen in der Team Zone (bin eigentlich gar nicht da).

Fazit
Larry Johnson, Trent Green, Eddie Kennison & Co fuhren über die Texaner drüber, wie ein geiler Trucker über am Highway streuende Waschbären. Für Menschen die selten bis gar nie die Gelegenheit haben ein NFL Match hautnah zu erleben trotzdem ein Erlebnis. Für Fans die jeden Sonntag ins Stadion gehen jedoch ganz sicher eine Pein. Zumindest für die texanischen, denn die weitgereisten Anhänger der Chiefs feierten ihre Jungs bis zum Abwinken. Wobei: Welle machen die dort keine, schon gar keine gemeinsame. Die gehen einfach ohne was zu tun. Bei dem Bettellohn in der NFL auch verständlich, aber wahrscheinlich ist das in der Liga gar nicht üblich. Was weiß ich schon.

Nach dem Match zogen, von der hiesigen Polizei mit Trara und Blaulicht eskortiert, ein halbes Dutzend Busse der KC Chiefs am Teambus der Invaders vorbei Richtung Flughafen. Gemessen an der Geschwindigkeit, saß im ersten wohl Larry Johnson selbst am Steuer.

NFL
Houston Texans vs Kansas City Chiefs 17-45 (7-10/0-21/10-0/0-14)
Reliant Stadium, Houston, 20.11.2005, Kickoff 19:30h, 70.000

Fotogalerien:
Tailgate Party vor dem Reliant Stadium
Houston Texans vs Kansas City Chiefs (Bilder vom Match)
Houston Texans Cheers

Football-Austria.com Spielbewertung (max. 10 Balls)
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:
Reliant Stadium Security Test:
Football-Austria.com MVP: Larry Johnson (Kansas City Chiefs)

Gameday
Die Sache an österreichischen Maßstäben zu messen wäre gänzlich unfair. Hier steckt ein Konzern (die NFL) dahinter, welche in jeder Minute mehr Budget zur Verfügung hat als ein AFL Team in einem Jahr. Dementsprechend bombastisch der Gameday, der so ziemlich alle Stücke einer Football Gameday Partitur perfekt spielen kann. Beeindruckend in erster Linie die Tailgate Party. 70.000 im Stadion, gut die Hälfte davon veranstaltet ein BBQ am Parkplatz Stunden zuvor. Neben privaten Grillfesten finden auch von Firmen durchorganisierte Happenings statt, darunter jenes der „Raging Bull Tailgaters“, welche von ansässigen Bierfirmen gesponsert werden. Neben Gratis Essen- und Getränken, wo man so viel konsumieren darf wie man will für ein Trinkgeld, werden dort auch noch diverse Fanartikel von Trucks geworfen (Caps, Dosenhalter, Flaggen, T-Shirts) und lokale Bands covern hochprofessionell Hardrock Hadern der 80er Jahre. Das alles macht natürlich Stimmung, da auch die Fans der Gegner mitmachen (bunt gemischt und friedlich) und so mancher Mitreisender hat das Match selbst dann nur mehr als Beiwerk wahrgenommen. Das Samaritertum vor dem Stadion hat aber nach Betreten des selbigen rasch ein Ende. Die NFL Merchandising Shops erfreuen sich einer hohen Beasucherfrequenz, für ein kleines Bier zahlt man USD 7,-, will man einen großen Gerstensaft inkl. Texans Becher sein Eigen nennen, so schlägt sich das mit satten USD 12,- zu Buche. Ins Stadion mitnehmen darf man nichts mitnehmen was eß- oder trinkbar wäre. Dahingehend betreten viele Fans bereits „gesättigt“ das Areal.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ins Reliant Stadium passen aber nur 52000!!!!

Anonym hat gesagt…

... oder doch 69.500 ?

Anonym hat gesagt…

ich meine behaupten zu können das ich mich auch im amerikanischen football auskenne aber wie kann es sein das ein team gegen welches sogar die invaders eine chance haben auf den selben level spielen wie ein team das obwohl es durchgewechselt hat die vikings geschlagen hat ?

Anonym hat gesagt…

weil es sehr grosse unterschiede in der Div III gibt.

weil die vikings gegen ein gutes und die Invaders gegen ein schlechtes team der Div III gespielt haben

weil nach dem ersten viertel die invaders-gegner mit der zweiten und dritten garnitur gespielt haben bzw. laufen durchgewechselt haben.

Anonym hat gesagt…

So ein Blödsinn, natürlich passen 70.000 rein.

wilber hat gesagt…

Offiziell 69.500. Chart siehe http://www.nfl-football-tickets.net/ht/stadium.htm

Es gibt aber auch noch eine Zone 7 (Terrace), die weder auf dem obigen Chart aufscheint, noch im Stadium selbst ausgeschildert ist. Das sind 20 zusätzliche Zonen an den Schmalseiten ganz oben, wo es arschmäßig zieht, von wo das Spielfeld so groß erscheint wie ein Badetuch und wo man von der Vidowall nur die untere Hälfte sieht. Damit dürfte man irgendwo zwischen 72.000 und 75.000 liegen.

Nebenbei bemerkt glaube ich, dass die offiziellen 70.148 Zuseher Saisonabonnenten beinhalten, die erst gar nicht hingefahren sind. Das Stadion war ganz sicher zu keinem Zeitpunkt voll.

Anonym hat gesagt…

ich meine behaupten zu können, dass ich mich auch im amerikanischen football auskenne
Warst du dort oder hast du das hier gelernt?

Zur Beruhigung für alle "Experten":

Die Invaders haben eh nicht gewonnen, liebe Vikings Fans. Kein Grund zur Panik. Der Sieg war auch nicht in Reichweite, allenfalls ein noch knapperes Ergebnis.

Das angekündigte Ergebnis von +100 mit mehreren Toten stand nie zur Debatte, denn im ersten Viertel und in stärkster Besetzung 2 Touchdowns, einer davon glücklich und einmal zurück gehalten und zum Fieldgoal gezwungen, das ist kein Gegner, der irgend ein Div1-Team so vernichtet.

Wenn dann in den restlichen 3 Vierteln der Vorsprung um schlanke 4 Punkte ausgebaut wird, darf ab diesem Zeitpunkt zu Recht von einer ausgeglichenen Partie gesprochen werden. Bei einem Team, welches 5 mal pro Woche mit 9 Coaches trainiert und mit einem 50 Mann Kader anreist, fällt auch die zweite und dritte Garnitur nicht so merklich ab, wie vielleicht bei einem heimischen Team mit kleinen Kader, wo wirklich unerfahrene Leute in der zweiten Reihe stehen. Die Amis hatten alleine 6 Runningbacks, einer schwärzer und schneller als der andere. Dazu 3 Quarterbacks, die fast immer alle Zeit der Welt hatten.

Der Schlüssel zum starken Auftritt von Invaders & Friends war schlicht und einfach die körperliche Überlegenheit. Die Amerikaner waren technisch auf einem Niveau, auf dem heimische Spieler kaum je sein werden. Da mithalten zu wollen, war unrealistisch. Wirklich wirksam war letzlich Fullback Helm runter und durch. Damit haben Kopatz und Bamminger die meiste Wirkung erzielt. Zwischendurch Passspiel, damit sie sich nicht zu sehr in der Mitte zusammen rotten. Donetsk hat vorgezeigt, wie man technisch überlegene Teams mit Anlauf aus den Socken haut.

Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wären die Choctaws einem AFL Team technisch überlegen gewesen, hätten aber gegen eine geschickt zusammen gestellte Best-of-Div1 Auswahl knapp den Kürzeren gezogen.

Scheint irgendwie ein generelles Südstaatenphänomen zu sein. Nach dem Spiel haben einige Spieler ein College-Werbemapperl überreicht gekriegt. Soweit ich das mitgekriegt habe, waren die alle deutlich über 1.85 groß.

Anonym hat gesagt…

jeder über 190