Dienstag, Mai 31, 2005

Der Kamber Affekt

Carinthian Falcons vs Cineplexx Blue Devils 22:25

Carinthian Falcons Blue Devils Keath Bartynski
Devils RB Keath Bartynski (klar zu erkennen an seinen typischen Gesichtszügen) mit Anhang. 112 rushing yards und ein Touchdown sollten am Ende genügen
Foto: Walter H. Reiterer
Angekündigte Skandale finden in der Regel nicht statt. Angekündigte Thriller dafür um so öfter. Zuständig für wirklich spannende Partien in dieser AFL Saison waren bisher die Teams aus Hohenems und Kärnten. Die Cineplexx Blue Devils lieferten sich eine erbitterte Schlacht gegen die ÖKO-Box Graz Giants (55:56 für die HBD), die Carinthian Falcons konnten ihr Auswärtsspiel gegen die Papa Joe’s Tyrolean Raiders nach einem 0:28 Rückstand am Ende fast noch drehen. (37:28 für die Raiders) Zwei Teams, vollgespickt mit charismatischen Spielerpersönlichkeiten, beide einen manisch-ehrgeizigen Präsidenten vorstehend, trafen also erstmals in dieser Saison aufeinander.
Interview Video (~18min.)
Fotos auf unserer Mediaseite!
Teamnews: Cineplexx Blue Devils


Das Match zwischen Christoph Piringer und Manfred Mocher war demnach ebenso brisant wie jenes der beiden Teams, welche im Klagenfurter Wörtherseestadion eine Delikatesse des AFL Footballs dem Publikum servieren durften. Eine der besten Partien dieser Saison wurde leider von nur knapp 400 Zuschauern verfolgt, da der Kickoff zu einem Zeitpunkt erfolgte (13.45h) wo kein normaler Mensch sich auf eine Tribüne setzten würde, außer er findet die Symptome eines Hitzschlags irgendwie anregend.

Zum ersten Mal trafen die sich so ähnelnden Teams aufeinander. Es sei gesagt: Freunde werden sie wahrscheinlich nimmer mehr, aber als Gegner besitzen sie kongeniale Synergiekraft. Die Geschichte im Vorfeld ist schon ein Schmankerl für sich. Devils General Manager Bernhard Kamber, ehemaliger Spieler und „Diktator“ der Falcons pflegt eine ganz spezielle Freundschaft mit den Falcons und deren Präsidenten Manfred Mocher. Der wollte vor Wochen bereits die Partie unbedingt von Samstag auf Sonntag verschieben, da er nur an diesem Tag das Klagenfurter Fußballstadion für den Event bekommt. Die Devils, also Kamber himself, erteilte dem Wunsch der Kärntner gleich mal eine Abfuhr. Nach Interventionen von Football-Austria.com (gutmütiges Zureden auf einen störrische Exil Kärntner) ließen sich die Devils aber breitschlagen und stimmten einer Verlegung zu. Einzige Bedingung war, daß man den Kickoff vorverlegt (13.45h), da man mit dem Sponsor ÖBB anreisen wird. Mocher stimmte dem zu, was sich als schwerwiegender Fehler herausstellen sollte. Die Devils wissen genau wie stark die Spieler der Falcons, aber auch wie wenige sie sind. Insgeheim rechneten sie damit, daß um die Mittagszeit es ein wenig wärmer sein könnte und die Falcons in der prallen Sonne eingehen könnten. Nun war es an diesem Sonntag nicht nur ein bißchen wärmer, sondern brütend heiß. So kam was kommen mußte.

Christoph Piringer stellte nach der Kontrolle der Außentemperatur vor dem Match eine klare Prognose. „Sollten wir zur Halbzeit nicht mehr als zwei Touchdowns zurückliegen, gewinnen wir das Spiel. Sind es mehr als zwei, gewinnen es die Falcons.“ So weit so wahr.

Die Falcons legten den von den Devils erwarteten Blitzstart hin. RB Richmond Appiah lief bei 31 Grad im Schatten gleich zwei Mal in Folge durch die völlig desorientierte und scheinbar wenig motivierte Verteidigung der Devils wie ein heißes Messer durch die Butter. Die Offensive der Devils ihrerseits verschlief die komplette erste Hälfte und kam nicht einmal in der Nähe eines Punktgewinns. Zwei sehenswerte 2 Point Conversions zu den beiden Touchdowns (ein geblockter Kick wurde von den Falcons zu einer 2PC verwertet + ein Trickspielzug) brachte das Heimteam zur Halbzeit klar mit 16:0 in Front. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Roten im Stande das Match klar zu dominieren. Manfred Mocher sagte vor Beginn der Saison, daß er die besten Imports nach Österreich geholt hat, welche je auf heimischen Boden gespielt haben. Damals wurde er von allen Seiten mild belächelt, aber mittlerweile muß man ihm zumindest zugestehen, daß es sich keinesfalls um die Schlechtesten handeln kann. Man findet insgesamt nur viel zu wenige aktive Spieler in der Team Area der Falcons wieder. Bezeichnend für die Personalsituation in Kärnten: nach einem Ballverlust seiner Mannschaft schrie Falcons Headcoach Bob Bradley nach der Defense. Was passiert? Die Offense verläßt das Spielfeld um nur kurz einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche zu nehmen - bis auf vier Mann kehren alle wieder von der Sideline zurück auf das Feld. Das kann einfach nicht gutgehen! Auch die Special Teams unterscheiden sich bei den Falcons nur in Details von der Defense und Offense. Es befinden sich praktisch fast immer die selben Spieler der Falken am Feld.

Im dritten Viertel waren die Falcons bereits platt. Immer öfter blieben Spieler am Feld liegen um zusätzliche Timeouts für die Kollegen rauszuschinden, jedoch gingen einige Leute tatsächlich an die Grenzen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit. Die Devils, selbst nicht gerade mit viel Personal in Klagenfurt angereist, konnten sich das im dritten Viertel noch nicht zu Nutze machen. Ein Fieldgoal durch Bernhard Kamber blieb die einzige Ausbeute der Hohenemser gegen dahinsiechende und der Reanimation bedürftige Falcons. Der Plan Piringers, den Gegner auslaufen zu lassen, schien zu diesem Zeitpunkt nicht aufzugehen.

Im letzten Spielabschnitt krachte es dann aber gewaltig. Devils QB Jon Abner verkürzte vorerst mal mit einem 64 yards Paß auf Christian Steffani auf 10:16 und was danach geschah ist Teil österreichischer Footballgeschichte. Ein stinknormaler Kickoff der Blue Devils. Beim Return stand zunächst völlig alleine und verlassen Richmond Appiah und sah konstatiert und wie ein spielendes Kind dem Ball zu, wie er in der linken Ecke der Falcons Spielhälfte, zwischen Sideline und Endzone, einige Male hin- und herhüpfte. Von der Hoffnung getragen, daß er noch über die Sideline ins out gehen möchte, verfolgte Appiah seine Ballstudie und Chaostheorie noch weiter, bis Devils DB Steven Carter einfach hinging (!!!) und den freien Ball mit einem Hechtsprung aufnahm. Ballbesitz Devils. Dankeschön. Das sah alles furchtbar blöd aus für den guten Richmond, doch was niemand zu diesem Zeitpunkt wußte: der Amerikaner litt unter den Symptomen eines Hitzschlags und mußte nach dem Match mit Sauerstoff behandelt werden. Er war einfach nur fasziniert davon, was so ein Football macht, wenn man ihn auf den Boden aufspringen läßt. Gesundheit ade. Es geht ihm den Umständen entsprechend wieder besser, aber insgesamt vier Spieler der Falcons mußten nach der Partie zur Behandlung ins Klagenfurter Spital gebracht werden. Sie werden den Falcons unter Umständen im nächsten Spiel fehlen.

Statt Ballbesitz bei einer 16:10 Führung, war es nun Ballbesitz bei einem 16:17 Rückstand, denn nach diesem Blackout von Appiah beim Kick Return, tat Keath Bartynski das wofür man ihn bezahlt. Touchdown Devils durch einen kurzen Run des Star Runningbacks und angesichts der personellen Situation bei den Falcons schien das Match an dieser Stelle gelaufen zu sein. Weit gefehlt, denn die Falken gaben trotz der Auszehrungen noch einmal alles. Leroy Brooks fing einen kurzen Paß von QB James Devine und brachte sein Team erneut in Front. Eigentlich unglaublich, denn niemand im Stadion hätte auch nur einen Cent mehr auf die Falcons gesetzt. Die Antwort der Devils auf den erneuten Rückstand: ein langer Drive von der eigenen 30 Yard Linie bis schließlich QB Jon Abner im dritten Anlauf der Sneak über einen yard zum Touchdown und zur Entscheidung gelang. Eine 2 Point Conversion von Eric Moore (Paß von Abner) stellte den Endstand von 22:25 her, wobei QB James Devine im allerletzten letzten Drive seiner Falcons noch insgesamt drei lange Pässe nur hauchdünn nicht an den Mann bringen konnte. Wäre nur ein Paß davon angekommen, hätten die Falcons diese Schlacht doch noch gewonnen. Den Schlußpunkt setzte Devils QB Jon Abner. Er kniete für -1 yard und ließ die Uhr einfach auslaufen.

Ein mitreißendes Match mit vielen Höhepunkten. Beide Teams hätten sich den Sieg verdient, die Devils hatten aber erneut, wie schon gegen die Giants, das bessere Ende für sich. Den Hohenemsern ist damit einen Fixplatz in den Playoffs sicher und für die Kärntner ist trotzdem noch alles drinnen. Sollten sie ihre Matches gegen die Giants und die zweite Begegnung gegen die Devils gewinnen können (und das kann dieses Team bewerkstelligen), dann sind sie mit dabei wenn es um die Austrian Bowl geht.

Eines wird das Falcons Team in Hohenems sicher nicht machen können: nach dem Match in der VIP Zone einen möglichen Auswärtssieg feiern. Manfred Mocher, welcher nach dem Match mit seinen Spielern im Spital war, ließ per Handy das gesamte Team der Blue Devils aus dem VIP Sektor der Falcons entfernen, da er nicht einsehen wollte, daß sich sein Team danach auch noch von einem Bernhard Kamber in Sieger Laune provozieren lassen muß. Football-Austria.com findet diese Vorgehensweise sehr konsequent und amüsant, wenn auch falsch, denn die Hohenemser zeigen sich gegenüber ihren Gästen eigentlich immer in Geberlaune, egal ob sie das Match verloren oder gewonnen haben. Hier sind wir aber gewillt den „Kamber Affekt Effekt“ mit einzuberechnen. Bernie K. ist ein toller Spieler, fähiger Manager und nicht maulfauler Provokateur, der es versteht zu polarisieren. Wir lieben diese Attitüde ebenso, wie solche tollen Matches und die Geschichten rundherum. Immerhin wurden wir Augen- und Ohrenzeugen der Unterhaltung während des Matches zwischen Piringer und Mocher. Alleine damit könnte ein Kabarettist für Jahre hinaus sein Programm mit Inhalten füllen. Sollten die beiden Egozentriker jemals ihre (vielen) Gemeinsamkeiten entdecken und sich verbrüdern, dann würden Vikings und Raiders, überspitzt formuliert, sofort in Abstiegsgefahr geraten. Aber das, so wagen wir es vorherzusagen, wird zu unserer aller Unterhaltung nie passieren.

Apropos VIP Zone, denn das sei schon auch gesagt: die Schiki Micki Ecke in Klagenfurt ist nicht irgendein mit Plastikfähnchen abgestecktes Areal, sondern DIE VIP Zone von Football Österreich schlechthin. Manfed Mocher sorgt sich nicht nur das leibliche Wohl von Presse und Promis, sondern bringt genau dort auch Inhalte an den Mann und die Frau. Die angepriesene Fördermitgliedschaft bei den Falcons (inkl. einer Festina Uhr), oder Spendentöpfe für den Nachwuchs, sind nur zwei Beispiele welche zeigen, daß der Herr ein wenig mehr im Programm und am Kasten hat, als bloß ein Buffet und gutes Entertainment. So sehr wir uns zwischen den Zeilen gegen eine Spielgemeinschaft der beiden Kärntner Klubs während der Saison gerichtet haben (und uns damit auch prompt Mochers Unmut zugezogen haben), genau so werden wir das Unternehmen Carinthian Fusion auch unterstützen. Was wir auch vorher klar gemacht haben. Ein gemeinsames Kärntner Team mit den bärenstarken Cowboys Junioren von Jeff King (als Kärnten Fan auf den Rängen) und dem Team der Falcons, wird als Symbiose ein Kraftakt sondergleichen werden, aber wenn er passiert, dann scheppert es doch gewaltig im Süden. In Klagenfurt und Hohenems sehen wir – zugegeben ganz subjektiv – eine mögliche tolle Zukunft für Football in Österreich. Einer ist angetrieben vom unbändigen Ehrgeiz erfolgreich zu werden (C. Piringer) der andere von seinem spielenden Sohn Bernd Leitsoni (M. Mocher) und beide sind jetzt erst so richtig auf den Geschmack gekommen. So kann man nur hoffen, daß diese Herrschaften noch weiterhin Spaß an der Sache haben und auf Zeit die Vorherrschaft von Wien und Innsbruck durchbrechen können. Die Grazer und Klosterneuburger, so wie es im Moment den Anschein hat, sind dazu nämlich nicht wirklich in der Lage. Doch auch so was kann sich innerhalb einer Offseason rasch ändern.

Wir sahen von beiden Teams ein tolles Match, fantastische Spielzüge, einen akribisch vorbereiteten Event und nichts was uns daran zweifeln läßt, daß diese beiden Teams unbedingt weiterhin Teil des österreichischen Footballs sein müssen. Falcons und Devils sind unterhaltsam, spannend, phasenweise eloquent in ihren Statements und bieten jeder für sich eine Footballshow die man hierzulande braucht. Streitet euch gerne weiter um des Kambers Bart, so lange ihr solche Matches dadurch zeigt.

Wir empfehlen außerdem die Sichtung der Interview Videos nach dem Match, welche im Laufe der heutigen Nacht geschnitten und Online gestellt werden. Mocher erklärt uns den Sommer und warum um diese Uhrzeit nicht gespielt werden darf, Piringer erläutert warum es gar nicht so heiß ist wie Mocher tut. Fantastisch!

P.S.: Frage an den AFSÖ: Warum waren an diesem Spielwochenende überall mindestens fünf Schiedsrichter anwesend, mit Ausnahme in Klagenfurt wo es nur vier waren? Sogar zu Freundschaftsspielen (Charity Bowl und Steelsharks Junioren vs Rams) kamen fünf, nach Budapest (Division II) begaben sich sogar ganze sechs Zebras auf die lange Reise. Das scheint uns doch sehr unverhältnismäßig. Also fragen wir mal: Warum zu sechst nach Budapest und zu viert nach Klagenfurt? Bitte um Antwort, damit wir uns das Löschen bösartiger Kommentare hier in Zukunft ersparen können. Danke.


Carinthian Falcons vs. Cineplexx Blue Devils 22:25
(8-0 / 8-0 / 0-3 / 6-22)
29.05.2005, Kickoff: 13.45h, Wörtherseestadion, Klagenfurt, 400
Referees: Albrecht / Raming / Zwicker / Obdrzalek

Football-Austria.com Spielbewertung (max. 10 Balls)
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:
Burger Test:

Football-Austria.com MVP:
Richmond Appiah (Falcons)

Montag, Mai 30, 2005

Forward Eau-Claire!

Chrysler Vikings verlieren ihre Charity Bowl VII gegen das Football Team der University of Wisconsin Eau-Claire mit 39:54 und spenden dafür 8000 Euro Bussgeld für karitative Zwecke

“On, Wisconsin! On, Wisconsin!
Champion of the right,
"Forward", our motto
God will give thee might!"

Verna Böhm Chrysler Vikings University of Wisconsin Eau Calaire
The strength of a woman
Der Gesichtsausdruck von Vikings Cheerleader Chefin Verena Böhm spricht Bände - Wir gaben alles!

Foto: Michael Nemeskal
So schöne Reime fallen uns natürlich garantiert nicht ein, dafür aber den Urahnen unserer amerikanischen Freunde. Und weil’s gar so grandios klang, haben die selben Urahnen daraus gleich den „Official Song of the State of Wisconsin“ gemacht. Eine Landeshymne quasi, beinahe so schön wie das oberösterreichische „Hoamatlond“. Wir lassen jetzt aber diese gröberen Zusammenhänge und Hymnen-Vergleiche mal locker links liegen und wenden uns eher den Worten „Champion“ und „Forward“ zu, nicht etwa weil das um einiges fetter klingt als „Hoamat“ oder „Gott“, sondern weil beide Begriffe durchaus auf das Football Team der University of Wisconsin Eau-Claire anzuwenden sind.

Fotos auf unserer Mediaseite!
mehr Fotos in einer 2. Gallerie!
Video: Game und Interview (ca. 13,5 Min.)
Teamnews: Chrysler Vikings

Zuerst aber kurz zu den Rahmenbedingungen: Für den strahlenden Hochsommertag konnten sie wohl nichts, aber sonst schafften es die Vikings (wenig überraschend) wieder einmal, einen grossartigen Football-Nachmittag zu organisieren. Es gab ein Football-Vorspiel in Form einer Jugend-Freundschaftsbegegnung in der die jungen Dragons die jungen Vikings mit 42:33 besiegen konnten, weiters besiegte der Blugold-Kicker den Vikings-Kicker im Ball-Weit-Treten, ein lustiger Saxophonist gab sein Allerbestes und das alles vor ca. 4.700 Zusehern und bester allgemeiner Laune. Trotz der etwa 33 Grad haben sich die Teams dazu entschieden, 15 Minuten pro Viertel zu spielen, an statt der üblichen 12 Minuten. Eine Entscheidung, die im Zweifelsfall gegen die Vikings war, weil selbige den ganzen Nachmittag somit in der prallen Sonne stehen mussten bzw. sich unten vier Sonnenschirmen zusammengerottet haben während die Blugolds gerade in der zweiten Halbzeit schön im Schatten der Längstribüne verweilen konnten.

Dies tat aber der Tatsache keinen Abbruch, dass wir ein wirklich tolles, spannendes und auch über weite Strecken recht ausgeglichenes Football-Spiel zu sehen bekommen haben. Jetzt mal abgesehen von NFL, NFLE oder Div I (was für unsere Breitengrade ohnehin eine andere Dimension darstellt) ist es natürlich schon immer wieder hoch interessant, ein amerikanisches Team spielen zu sehen. Man bemerkt förmlich, dass der Bezug und die Bindung zu diesem Sport bei den Amerikanern natürlich immens höher ist als bei uns Mitteleuropäern. Im Falle der Blugolds zeigte sich das etwa dadurch, dass von Beginn an keine einzige Unsicherheit, weder in der Offense, noch in der Defense, noch bei den Special Teams zu sehen war. Man sah in den Aufstellungen tatsächlich keine Schwachstelle und man konnte wieder erahnen, dass halt der Ressourcenpool in den USA derart gross ist, dass bei den Spielern aus dem Vollen geschöpft werden kann: Die US-Boys gingen auf den Platz, sahen sich kurz um und marschierten mit ihren ersten beiden Drives derart schnell, souverän und unbeeindruckt über das Spielfeld, dass es nur so eine Freude war. Die Vikings wurden ob dieser Kompromisslosigkeit gar ein wenig überrascht, was nahe der eigenen Endzone zu zwei folgenreichen Fehlern führte: Eine Passinterference im vierten Down durch Markus Hirtl brachte die Gäste um 15 yards näher an die Endzone und verhalf ihnen zu einer neuerlichen First-Down-Situation. Markus Hirtl konnte seinen Fehler beinahe wieder gut machen, indem er eine Pass an der 2 yard Linie intercepten konnte, leider war da aber auch ein Holding von Hirtl dabei, womit der Turnover natürlich nicht zählte und die Gäste im nächsten Spielzug durch einen 6 yard Lauf von Joe Gast in Führung gehen konnten. Gast ist der Top-Rusher der Amerikaner und schaffte in dem Spiel noch zwei weitere Scores und in Summe 101 rushing yards. Auf der Position des Quarterbacks wechselten sich Jesse Krzyzanowski und Backup Lukis Atkinson ab, beides sehr mobile, schnelle Spielmacher mit Übersicht und einem starken Wurfarm. Beide blieben an dem Tag fehlerfrei.

Die Blugolds konnten durch einen 25 yard run von Eddy Kaiser noch einmal punkten, bis die Vikings endlich an der Reihe waren: Mit 12 Plays kämpften sich die Gastgeber mit Lauf und Pass Varianten 66 yards übers Feld, bis Shawn Olson selbst zum Touchdown laufen konnte. Nachdem das erste Viertel mit 13:7 am die Amerikaner ging, gehörte das zweite Viertel den Vikings. Die Wiener konnten sich gut auf den Gegner einstellen und liessen bis zur Halbzeit nur noch einen Touchdown der Blugolds durch Eddy Kaiser zu, wo hingegen sie selbst durch Lance Gustafson, Johannes Widner, Luke Atwood und Pasha Asiladab vier mal punkten konnten. Zu dieser Phase war das Spiel höchst spannend, sehr ausgeglichen und streckenweise auch zu Gunsten der Vikings verlaufend. Nachdem das zweite Viertel so gut für die Gastgeber gelaufen ist und sie zur Pause mit 33 zu 21 vorne gelegen sind, konnte man schon vorsichtig spekulieren, ob es denn tatsächlich möglich ist, dass ...Aber nein: Gleich im ersten Drive nach der Pause wurde Shawn Olson von Luke Plese intercepted was im Gegenzug zu einem weiteren TD durch Joe Gast führte. Der Start in die zweite Halbzeit war somit missglückt und es passierten den Vikings auch wieder einige Fehler bei ihren Trickspielzügen: Bei einer 4th down Situation kam es nach einem Doppelreverse zu einem illegal forward pass, der zwar von Gustafson gefangen werden konnte, aber eben leider illegal forward war. Der Drive war vorüber und im Gegenzug konnten wieder die Gäste scoren.

Je länger das Spiel dauerte, desto mehr merkte man, dass die Vikinger schneller müde wurden als die Blugolds. Die bereits erwähne Sonnenseite des Feldes scheint daran nicht ganz unschuldig gewesen zu sein. Das bei den Wienern heuer so erfolgreiche Kick-Return-Spiel konnte von den Amerikanern recht gut gestoppt werden und so kamen Neil Maki und Charley Enos diesmal gemeinsam "nur" auf 92 Kick-Return-yards. Die Blugolds schafften immerhin 176 yards und arbeitete dabei fast immer mit Reverses bzw. mit Revers-Fakes zwischen den beiden kreuzenden Kick-Returnern, was natürlich gerade zu Beginn ein wenig Verwirrung in den Reihen der Wikinger stiften konnten. Aber wenn die Special-Team-Coaches der Wikinger aufgepasst haben, bekommen wir vielleicht solche Aktionen schon in Innsbruck wieder zu sehen.

Im letzten Viertel gab es noch einmal zwei Turnovers gegen die Vikings (Fumble und Interception) und es gab Scores für Joe Gast und Eddy Kaiser bzw. Lance Gustafson.

Wie gesagt: Das Spiel hat wirklich gefallen und beiden Mannschaften waren sich über einige Phasen sehr ebenbürtig, wobei dann aber die Amerikaner mit ihrer Präzision, Konzentration und Kondition das bessere Ende für sich hatten. Die Blugolds mussten kein einziges Turnover hinnehmen und verursachten so nebenbei keinen einzigen Penalty (!!), wo gegen die Wiener neun mal bestraft wurden und damit 71 yards zurückrücken mussten bzw. drei mal den Ball vorzeitig dem Gegner überlassen mussten. Die Party war ein Offensiv-Feuerwerk mit 476 yards für die Blugolds und sogar 597 yards für die Vikings.

Und noch was: Ist damit die leidige Frage endlich beantwortet, ob die Vikings in einer College-Liga eine Chance hätten? Ja, sie ist. Die Antwort dazu gibt Todd Hoffner, Headcoach der Blugolds selbst im Football-Austria.com -Video.

SCORES:

1st
12:19 WIS - Joe Gast 6 yd run (Andy Schneider kick)
6 plays, 50 yards, TOP 2:41, WIS 7 - VIK 0
09:15 WIS - Eddy Kaiser 25 yd run (Jesse Krzyzanowski rush fumbld)
4 plays, 61 yards, TOP 1:37, WIS 13 - VIK 0
05:38 VIK - Shawn Tristan Olson 6 yd run (Peter Kramberger kick)
11 plays, 72 yards, TOP 3:31, WIS 13 - VIK 7

2nd
14:07 VIK - Lance Gustafson 12 yd run (Peter Kramberger kick)
3 plays, 33 yards, TOP 0:34, WIS 13 - VIK 14
10:33 VIK - Johannes Widner 23 yd pass from Shawn Tristan Olson (Peter Kramberger kick)
7 plays, 69 yards, TOP 2:16, WIS 13 - VIK 21
09:05 WIS - Eddy Kaiser 2 yd run (Matt Evensen pass from J.Krzyzanowski)
6 plays, 63 yards, TOP 1:23, WIS 21 - VIK 21
07:57 VIK - Luke Atwood 44 yd pass from Shawn Tristan Olson (Neil Andrew Maki rush failed)
2 plays, 49 yards, TOP 1:03, WIS 21 - VIK 27
00:48 VIK - Pasha Asiladab 6 yd pass from Shawn Tristan Olson (Peter Kramberger kick blockd)
10 plays, 87 yards, TOP 3:37, WIS 21 - VIK 33

3rd
11:00 WIS - Joe Gast 2 yd run (Andy Schneider kick)
6 plays, 63 yards, TOP 1:59, WIS 28 - VIK 33
02:45 WIS - Matt Evensen 7 yd pass from Jesse Krzyzanowski (Darin Krzyzanowski kick)
11 plays, 62 yards, TOP 5:09, WIS 35 - VIK 33
01:33 WIS - Carter Crotteau 51 yd pass from Jesse Krzyzanowski (Andy Schneider kick)
1 play, 51 yards, TOP 0:05, WIS 42 - VIK 33

4th
4:47 WIS - Eddy Kaiser 8 yd run (Darin Krzyzanowski kick blockd)
5 plays, 37 yards, TOP 0:32, WIS 48 - VIK 33
09:51 VIK - Lance Gustafson 2 yd run (Shawn Tristan Olson pass failed)
14 plays, 74 yards, TOP 4:54, WIS 48 - VIK 39
05:58 WIS - Joe Gast 15 yd run (Andy Schneider kick blockd)
6 plays, 66 yards, TOP 3:49, WIS 54 - VIK 39


Chrysler Vikings vs. University of Wisconsin Eau-Claire 39:54 (07:13 / 26:08 / 00:21 / 06:12)
29.05.2005, Kickoff: 15.00h, Sportklubplatz, 33 C, 4.700
Referees: Ulicny / Windsteig / Zemsauer E. / Tod / Hofbauer

Football-Austria.com Spielbewertung (max. 10 Balls)
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungwert:
Leitungswassertest Mit Wiener Hochquellwasser bestanden.

MVP

Football-Austria.com MVP:
Blugolds: Joe Gast (101 rushing yards, 3 TD)
Vikings: Lance Gustafson (233 yards from scrimmage, 2 TD)