Dienstag, April 04, 2006

Ausgelaufen

Giants Sieg mit Wermutstropfen

Freakazoid
Freakazoid kam, sah und feierte. Die Giants besiegen nach langer Zeit wieder die Raiders.
Foto: Elvira Klamminger
In einem komplett auf Defensive ausgerichtete Spiel behielten die Turek Graz Giants über die Swarco Raiders Tirol denkbar knapp mit 9:7 die Oberhand, bezahlten den Arbeits- und Zittersieg aber mit dem Ausfall ihres Starting Runningbacks Harald Egger. Einen einsamen Minusrekord heuer stellten die beiden Teams in der Offensive auf. Sah man beim zweiten Sonntagsmatch in Wien mit 580 Total Offense Yards (199 davon gingen auf einen Spieler) schon kein Offensivfeuerwerk, begnügte man sich aber in Eggenberg gar nur mit 397 offensiven Yards. Beide Teams zusammengerechnet wohlgemerkt. Dafür sahen die 1550 Zuschauer jede Menge Turnovers, Fumbles, Interceptions und zwei Quarterbacks, die nicht ins Spiel fanden.

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Die zweite Wahl der Raiders, Neuzugang Michael Pozzi, spielte bereits am Tivoli eine ganz schlechte Partie, so konnte es schlimmer gar nicht mehr kommen. In Graz reduzierte er seine Interceptions von 5 auf nur eine, fand mit Jakob Dieplinger erneut einen Paßempfänger zum Touchdown, kam aber mit seinen 31 Pässen (15 komplett) keine 100 Yards weit. Ernüchterung im Swarcoland. Nicht viel besser der Spielmacher der Giants. Sheldon Cross setzte 17 Mal zu einem Paß an, zwei Mal warf er zu einer Interception, 8 davon waren komplett für gesamt 141 Yards. 120 gingen auf das Konto von Armando Ponce de Leon, darunter ein Paß zum Touchdown. Ansonsten waren alle gut abgemeldet. Von Chris Rosier, als Retter in der Not nach Tirol eingeflogen, sah man noch recht wenig (36 Receiving Yards) und RB Florian Grein kam mit 81 Rushing Yards Netto nach 4 Vierteln auch nicht so recht in Schwung. Jakob Dieplinger war erneut der effizienteste Angreifer der Raiders mit 54 Receiving Yards und einem Touchdown. Die Giants verloren ihren Running Back Harald Egger im zweiten Viertel, sein Ersatz Mann Florian Mittl schaffte in drei Viertel immerhin 94 Netto Yards. Die Giants Paßempfänger waren bis auf Ponce de Leon nur zur Dekoration am Feld, Christian Kranz fing einen Paß für 10.

Um so stärker die Defensivabteilungen der beiden Teams. Raiders LB James Ellingson mit 7 Solo Tackles und 10(!) Assits bester Mann am Feld. Bei den Giants teilten sich Jeremy Bohannon (5 Solo / 3 Assists) und Darvin Lewis (4/4) die Arbeit und verhinderten wie ihre Kollegen von der anderen Seite im ersten und letzten Spielabschnitt einen Score, ließen in im zweiten und dritten 16 Punkte zu.

So geschah im ersten Viertel recht wenig. Florian Grein rushte zu zwei First Downs. Die Raiders spielten einen 4. Versuch aus, der Paß von Michael Pozzi fand aber keine Anspielstation. Ein ähnliches Bild im ersten Offensiv Drive der Giants. Jeremy Bohannon und Sheldon Cross zu First Downs (Ponce de Leon), dann ein Fumble des Receivers, Raiders LB Mario Rinner holte sich den Ball. Die nächsten beiden Drives fast eine Kopie der ersten zwei. Die Raiders kamen nicht weiter, die Giants mit einem Fumble. Drive 5 & 6 – Raiders 4 & Out, ein First Down (Cross-Poce de Leon), Interception Sheldon Cross (Daniel Alfreider).

Zu Beginn des zweiten Viertels die Interception durch Michael Pozzi (Jeremy Bohannon), doch die Giants konnten daraus keinen Nutzen ziehen. Christoph Kipperer versuchte ein Fieldgoal aus 25 Yards – vorbei. Auch in Folge wurden alle Offensivbemühungen beider Teams von der Defensive im Keim erstickt. Hie und da sah man ein First Down. Josef Schnellrieder trat zum Filedgoalversuch aus 21 Yards an – vorbei. Harald Egger fiel verletzt aus, Florian Mittel kam für ihn ins Spiel. Mit dem neuen Runningback kam man prompt zum Erfolg. Mittl rushte zu einem First Down, zuvor ein Paß von Cross auf Ponce de Leon und danach noch einer für 15 Yards zum Touchdown. Geht doch. Christoph Kipperer trat zum Extrapunktversuch an – vorbei. 6:0. Der Rest der ersten Hälfte: Kampf & Krampf und nicht Mal ein First Down.

Nach Wiederbeginn verlor Giants QB Sheldon Cross den Ball (Forced Fumble) Viktor Skradski holte das Ei für die Raiders und diese nutzten das Geschenk. Florian Grein rushte für 30 Yards, Michael Pozzi mit einem 26 Yards Paß auf Jakob Dieplinger zum Touchdown. Josef Schnellrieders Kick war diesmal gut – die Raiders gingen mit 6:7 in Führung. Danach war wieder Defense Time. Keine First Downs (mit Ausnahme einer Strafe). Ein langer Drive der Giants, in dem RB Florian Mittl die Hauptrolle spielte, brachte die Grazer gegen Ende des dritten Viertels in Fieldgoalreichweite. Christoph Kipprerers zweiter Versuch aus 25 Yards saß. 9:7. Kipperer wußte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, daß er damit seinem Team den Sieg retten wird, denn im letzten Spielabschnitt gab es noch genau 3 First Downs, aber keine Punkte mehr. Beide Teams schafften es kaum über die Mittellinie. Die Giants kamen ein Mal an die Raiders 34, die Gäste an die 46 Yard Linie der Gastgeber.

Fazit
Für die Mehrheit der Zuschauer war das sicher alles andere als schön anzuschauen. Keine Höhepunkte, selten lange Pässe, viele Fehler. Die Defense beider Teams auf einem hohen Niveau spielend, dem die Offense nicht gewachsen war. Die Leistungen im Angriff waren ernüchternd bis erschreckend schwach, sind auch nicht zur Gänze auf starke Verteidigungen zurückzuführen. Eine matte Vorstellung beider Teams. Die Giants werden es in einer Woche gegen die Vikings sehr schwer haben. Die Raiders, jetzt mit dem Rücken zur Wand, könnten gegen die Black Lions am Tivoli wieder Selbstvertrauen tanken. Dazu müssen sie diese aber mal besiegen, denn 14 Punkte aus zwei Partien weisen darauf hin, daß ihre Offensive derzeit reichlich wenig zusammenbringt. Sollte sie am kommenden Wochenende nicht auf Touren kommen, wäre das Rennen um die Austrian Bowl für die Tiroler bereits vorbei.

Ein Fehler welche beide Teams begangen haben, betrachtet man die bisherigen Spiele der Vikings und wußte man zuvor schon, daß die besten Legionäre heuer in der Defense stehen werden, war keinen Runningback geholt zu haben. Wobei die Giants schon einen hatten (Bruce Molock), der aber nach seiner Absage durch einen Verteidiger „ersetzt“ wurde. Jetzt ist Harald Egger out für season (Mehrere Bänder im Knie kaputt), Wolfrum Hofbauer will nicht spielen (Schule) und Martin Grassegger liegt auch im Lazarett (Leiste). So lag die ganze zu tragende Last auf Florian Mittl, der seine Aufgabe zwar mehr als mittel erledigen konnte, aber wohl nicht die ganze Saison die Load wird nehmen können. Die Giants wären gut beraten einen Runningback nachzunominieren, denn mit einem Backup (ohne weiteren Backup) wird das Laufspiel auf Dauer ins Stocken geraten. Nächste Woche in Wien gegen die Vikings wird ihnen das wohl schon vor Augen geführt werden. Die Raiders haben mit Florian Grein ebenfalls ein österreichischen Runningback, der aber auch alleine auf weiter Flur steht. Es gibt keinen Backup RB den man in Tirol als Waffe einsetzten könnte. Zudem sind seine (Greins) bisherigen Leistungen im Vergleich zu einem Top US RB (Graham), mehr als mager. Was nicht nur am Spieler selbst liegt, sondern natürlich auch an der Line, aber Clinton Graham lief mit und auch ohne Protection zu 323 Netto Yards und 5 Touchdowns. Mehr als bislang alle Offense Abteilungen der restlichen AFL Teams zusammen. Hier ist der Unterscheid. Graham ist ein Difference Maker und wird auch von den Giants nur schwer zu stoppen sein. Nicht das gleiche, aber ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Blue Devils. Auch hier gibt es, nach dem man auf Keath Bartynski verzichtete (der war übrigens auch bei den Giants im Gespräch), keinen durchschlagenden Runningback mehr. Gary Brashears wurde eigentlich als Quarterback geholt, aber er ist nicht Michael Vick, nur weil er oft selber gehen mußte. 22 Netto Yards, zusammen mit dem Starting RB Richmond Appiah brachte man es zulertzt auf 64 Rushing Yards über ein Spiel. Das ist alles viel zu wenig. Kurzum: Die Gegner der Vikings, die sie heuer so gerne entthronen würden, verfügen über kein effizientes Laufspiel. Das wird man aber brauchen, so wie sich die Spiele entwickeln. Tief geht nur mehr der, der das Risiko nimmt (Pozzi am Tivoli), denn die Secondary ist bei allen Teams die bisher gespielt haben heuer scheinbar die stärkste Abteilung. Neben den Linebackern, wo die Herren Lewis, Petty, Ellingson und Flordeo 1+2 bislang ein recht strenges Regiment führen. Daher steht Graham ganz alleine da und er wird, wenn sich daran nicht etwas radikal ändert, den nächsten nationalen Titel für die Wiener holen. Internationale Erfolge werden heuer nur schwer zu realisieren sein. Der Gang nach Braunschweig am 22. April für die Raiders könnte zum Offenbarungseid des österreichischen Footballs werden.

Gameday
Viele Zuschauer (Der Veranstalter gibt 1550 an) hörten eine neue Soundanlage, sahen aber ansonsten wenig Neues. Essen & Trinken im Stadion ist weiterhin nicht mehr als ein schlechter Witz, der Zuschauer wird zum Bittsteller an der Seitentür der Kantine, die den Event grade mal nicht ignoriert. Der Fan- und Merchandisingstand wurde nicht rechtzeitig fertig, das schmuddelige Stadion dafür mit Langfahnen dekoriert. Höhepunkt war die Vorstellung des neuen Maskottchens Freakazoid, eine weitere Erfindung der G-Freakzzz. Der Schnalz-o-Meter konnte nicht in Betrieb genommen, weil der Platzwart dem Fanclub die Stromzufuhr verweigerte.

Turek Graz Giants vs Swarco Raiders Tirol 9:7 (0:0/6:0/3:7/10:0)
02.04.2006, Kick Off: 15:00h, Stadion Eggenberg, Graz, Zuschauer: 1550
König M. / König T. / Windsteig / Praher / Edelmüller / Hofbauer
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Football-Austria.com Spielbewertung
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:

Football-Austria.com MVP:
Freakazoid (G-Freakzzz)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Anonym hat gesagt…

wieso?

zeb28 hat gesagt…

Weils nur ein dummer "Erster!"-Post war.

Anonym hat gesagt…

es muss ja richtig dumm gewesen sein...

Anonym hat gesagt…

backup florian mittl mehr yards als starting florian grein? was is da los?

Anonym hat gesagt…

"Die Raiders haben mit Florian Grein ebenfalls ein österreichischen Runningback, der aber auch alleine auf weiter Flur steht. Es gibt keinen Backup RB den man in Tirol als Waffe einsetzten könnte."

und was ist mit #28 hoheneder? ebenfalls ein österreichischer rb - und gar kein schlechter! und was die lions betrifft: die wurden von den bolzano giants beisegt, diese wiederum durch die raiders. also alles offen würd ich behaupten...

Anonym hat gesagt…

Der Gang nach Braunschweig am 22. April für die Raiders könnte zum Offenbarungseid des österreichischen Footballs werden.
Das ist es - Leute!
Sowohl Vikings, als auch Raiders sind in dieser Form nicht mit den German Bowlern'05 konkurrenzfähig! Wo die österreichischen Teams heuer stehen ist am Sonntag ab 15:00 hinterm Berg abschätzbar (Stuttgart verlor gegen Hamburg im Quarterfinal der GFL'05 30:0).

Anonym hat gesagt…

und was ist mit #28 hoheneder?

Leider nicht viel.
15 Attempts - 37 Yards.
Willst uns den als Alternative verkaufen?

Anonym hat gesagt…

Hoheneder? Wo lebst ihr?
1.75m, 80 Kilo, 2.5 Yards pro Versuch gegen die Vikings.
Das nennt sich in Tirol nicht schelcht? Na prack!

Anonym hat gesagt…

mich wundert jetzt auch nur mehr wenig. das stimmt doch was da geschrieben steht. alles mittelmass bist schlecht bei den ÖSI RBs. auch der grein hat scheinbar seinen zenit längst überschritten und ist nur wegen seines namens und seiner freundlichen art im NT vertreten. den besten österr. rb den ich heuer gesehen hab war der von den gladiators bei den knights. schnell, kräftig, schnörkellos, und teilt selber aus. aber sicher auch nicht das gelbe vom ei für die afl.

Anonym hat gesagt…

Foto 118 gehört mal von einem Ref angeschaut. Mich würde die Regelauslegung beim Holding interessieren

Anonym hat gesagt…

als ob dies einen ref interessieren würde.

ist leider so. das thema mit "schickt uns videos von auffälligen szenen damit wir was lernen können" ist ja alles nur fake.
wenn es die refs wirklich jucken würde, dann würden sie sich die videos schon selbst beschaffen.
es gibt auch einige gute refs in Ö, nur leider sind sie die absolute minderheit

winjester hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Anonym hat gesagt…

@ Foto #118
Holding - pruhaha
Der 69er zupft den 90er a bisserl am Leiberle-Ärmel und das soll Holding sein? Bist Du eine schwache Raspel oder könntest Du Dich davon losreißen?
Ist das "Holding" am Point of Attack (sieht für mich nicht so aus)? Oder ist der Tackle gegen den Ballträger schon gemacht, oder der Pass schon geworfen? Alles nicht am Bild zu sehen. Der Ball(träger) dürfte im Hintergrund rechts ausserhalb der Bildausschnitts sein.
Ich würde eher fragen, ob nicht der Raider mit der 30irgendwas ein "Holding" begeht. Ja, der direkt unter dem Downmarker, der die linke Hand schon fast am Rücken des Gegners hat.
Und der AFSÖ bekommt die AFL Vereins-Videos von den Spielen und schaut sie an und die Crews bekommen ein Feed-Back, wenn das Material brauchbar ist.

PS Mir fehlt die "spiegelnde Eyeshield" Reklamation vom Foto #117 :-))

Anonym hat gesagt…

Was das Stadion-Ambiente betrifft, kann man nur zustimmen. Zu Spielbeginn standen noch ca. 30 Leute vor der Kassa, da nur eine geöffnet war, und viele daher erst im 1. Viertel in Stadion kamen. Den Fanstand braucht man gar nicht erst zu kommentieren, die hangeschriebenene Preislisten schien es erst in der 2. Halbzeit zu geben. Und was das leibliche Wohl angeht, so kann man nur zustimmen, dass man sich den Weg von den harten Sitzbänken zur "Kantine" ruhig ersparen kann. Wenigstens gibt es mitlerweile bei den Giants ermäßigte Karten für Schüer und Studenten. Ansonsten würde außer Spielereltern wohl selbst hartgesottene Football-Fans nur selten zum Spiel kommen, denn die Show und das Ambiente ziehen sicher niemanden an...

Anonym hat gesagt…

das ganze drum herum ums spiel fand ich wirklich nicht so schlecht wie viele hier sagen, die teils gar nicht beim spiel waren.

die g-freakzzz haben das stadion schön gescmückt und absolut das beste daraus gemacht...

Anonym hat gesagt…

Die Stimmung im stadion war sehr gut...die fans sind gut mitgegangen und haben gezeigt wer die bessere Mannschaft war!