Sonntag, Februar 12, 2006

Aufgelesen im Blätterwald

„Grazer im Bild“ ruft den sportlichen Absturz aus

Aufgelesen
Schulporno, Prügelväter, Absturzsportler und Übeltäter. Wenn die Presse Bäuerchen macht, dann wird aus vierfarbig schnell vierlagig.
Foto: PixelQuelle.de
Noch keine drei Monate ist er alt, aber schon gibt er eine finales und vernichtendes Urteil über den steirischen Sport ab. Der im zweiwöchigen Rhythmus erscheinende „Grazer im Bild“ zieht in seiner aktuellen Ausgabe eine sportliche Bilanz und diese sieht für die meisten Sportler und Vereine in der grünen Mark denkbar schlecht aus. Unter den aussagekräftigen Titel „Der Absturz“ wird den steirischen Sportfans eine bestürzende Nachricht überbracht. „Das Sportland Nummer 1“ sei „leider Geschichte.“ Mittendrin in einer „Tabelle der Mittelmäßigkeit“ auch die „Football Bundesligisten Giants Graz“. Mit dem GAK, Sturm Graz und den 99ers befinden sie sich dort in prominenter Gesellschaft.

165.000 Stück der Gratis Postille werden an steirische Haushalte und Gastronomiebetriebe verteilt. Sich selbst beschreibt man als „Mutig, Unabhängig!“ sowie „Gratis und rotzfrech!“ aber (horch, horch) „Von Profis gemacht!“ Vor allem hatte man einen „Sensationellen Start!“, was nur an der häufigen Verwendung des Ausrufezeichens! liegen kann. Alleine auf der Startseite im Web findet man ganze Neun! davon. Das ist toll! Eines ist daher klar „Die Steiermark ist umgestiegen!“ Tatsächlich?

„Die Profis“ gehen jedenfalls vielen heißen Themen auf den Grund. So „schockt ein „Schul-Porno!“ nicht nur eine, sondern gleich zwei (!) Grazer HTLs! Das Plural s in HTLs steht hier für Lehranstaltens? Eine harte Sache jedenfalls. Auch nicht minder brisant der „Asylanten Babyboom“. Hier erzählt eine Frau, deren Name geändert und der Grund des Aufenthalts im Caritas-Flüchtlingsheim nicht verraten wird, dass sie das „Baby- und Kindergeschrei…nicht mehr hören kann!“ Die Damen würden glauben ihre „Butzerln“ wären automatisch Österreicher, aber bei uns herrschen eben „keine amerikanischen Verhältnisse.“ Wie wahr. Dieser „Staatsbürgerschaftstraum“ bleibt hier unerfüllt und wird via Abschiebung „ganz schnell zum Alptraum.“ Warum eigentlich? Weil die Alpen verdächtig nahe sind? Man hat es nicht so mit der neuen deutschen Rechtschreibe, kopuliert mit ihr aber heftig, wenn es passend erscheint. Dass ein Medium dieser Größe sich einen Lektor hält, der für das Blatt eine komplett neue deutsche Sprache erfindet ist nicht nur „Mutig!“, sondern stellt echte Pionierarbeit dar. Preisverdächtig das.

Wirklich skurril wird es, wenn uns verraten wird wer für „Prügelväter!“ zu zahlen hat, nämlich „WIR!“ Aber bereits auf der nächsten Seite bietet die Raika Steiermark Abhilfe. Schon ab € 320,- kommen Sie zu ihrem Traumhaus. Darunter noch ein Hinweis auf das Frauenhaus, falls man als geprügelte Frau derzeit nicht so bei Kassa ist. Schrilles product placement - à la bonne heure!

Derart „Rotzfrech!“ geht es auf insgesamt 77 verdammt „mutigen!“ Seiten zu. Auf der Doppelseite 68/69 kommt man zu der Sache, welche uns interessiert, weil „…leider stirbt in Graz und in der Steiermark der Spitzensport!“ Man beweint den nicht mehr stattfindenden Formel 1 GP und die zu lange zurückliegenden Meistertitel der Fußballklubs GAK und Sturm Graz, welche auch an oberster Stelle der Absturzverursacher stehen. Ihnen folgen die Sportarten Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey, bevor man auch in der „Football Bundesliga“ die „Giants Graz“ als mitverantwortlich befindet. Das ist doch zumindest ein wenig überraschend.

Nun haben die Giants für ihre Verhältnisse in den vergangenen Jahren nicht gerade zu sportlichen Höhenflügen angesetzt, jedoch für zwei Teilnahmen an der Austrian Bowl (2002/2003) und dem Erreichen der Playoffs (2004/2005) reichte es noch allemal. Zudem verwundert es, dass gerade einem Amateurverein hier so viel Aufmerksamkeit beigemessen wird. Waren die Giants denn in den Schlagzeilen, quasi in dem Fall auch mitverdächtig, als Sturm in der Champions League überraschte? Wohl kaum. Die „Götschl“ und die „Görgls“ seinen die wenigen Lichtblicke. Dieser Kasteiung beinahe germanischen Ausmaßes wird auch noch ein Zeuge der ersten Klasse hinzugezogen. Sporthilfe Chef Karl Schweitzer bohrt in den offenen Wunden und wird mit „Die Steirer sind weit weg vom Sportland Nummer 1.“ zitiert, bevor der Staatssekretär zum (sicher unbewussten) Football Tiefstschlag ansetzt. „Selbst das kleine Bundesland Vorarlberg hat fast so viele Spitzenleute wie die Steirer.“ Autsch! Spätestens hier verzichtet der Grazer Footballfan auf die Unabhängigkeit und bringt das von Profis gemachte Papier an jenen Ort wo es in 165.000 Hauhalten am Nötigsten gebraucht wird.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

frisch-saftig-steirisch

Anonym hat gesagt…

Grazer HTLs! Das Plural s in HTLs steht hier für Lehranstaltens? Eine harte Sache jedenfalls.

Peinlich, peinlich... zieht über andere her und macht selber lächerliche Fehler! Oder gibts wirklich schon Lerhanstalten?

Anonym hat gesagt…

Wenn du dir den Satz noch einmal durchliest, dann wirst du mit sicher heit das wichtige Detail "FRAGEZEICHEN" (=?).
Daraus kann man schließen, dass er auf einen Fehler der Autoren der Beschriebenen Gratis-Zeitung gemeint waren, oder etwa nicht?

Anonym hat gesagt…

Nein! er machte auf den Fehler aufmerksam, dass das Plural von HTL ebenfalls HTL ist, da HTL für Höhere Technische Lehranstalt steht, und das Plural von Lehranstalt Lehranstalten ist. Wenn man aber im selben Satz, in dem man sich über die Fehler anderer lustig macht, selbst zum Opfer des Fehlerteufels wird, ist das nur traurig! Und bevor jetzt wieder Meldungen kommen dass er das sicher absichtlich gemacht hat -> im Originalartikel kommt das Wort "Lerhanstalten" nicht vor

Anonym hat gesagt…

Das schon, dann müsste er aber Lehranstalts schreiben... aber wir wollen ja nicht so sein...

Anonym hat gesagt…

Ui, da checken ein paar überhaupt nicht was los ist. Das ist ja fast noch witziger wie der Artikel selbst.

Anonym hat gesagt…

Wenn man aber im selben Satz, in dem man sich über die Fehler anderer lustig macht, selbst zum Opfer des Fehlerteufels wird, ist das nur traurig!

Das Fragezeichen übersehen?

der sich einen wolf tanzt hat gesagt…

ich würde weder den artikel, noch die postille noch die äußerst wertvollen kommentare der vorposter ernst nehmen.

das blatt gibt es seit wenigen wochen und hat zumindest eines gezeigt: man kann durchaus bereits tiefes niveau noch unterschreiten. auch wenn man denkt, der boden der niveaulosigkeit ist mit diversen billig/gratis blättern schon erreicht, wird man sehr schnell eines besseren belehrt.
ich kenne die macher der zeitung und und diese sind von profis so weit entfernt wie die vikings von der titelverteidigung ggg

zu den vorpostern: ihr seid wirklich sehr intelligent. wahrscheinlich höhrt ihr das zum ersten mal.

wolf

der sich einen wolf tanzt hat gesagt…

natürlich "hört" für die lektoren unter der leserschaft.

wolf

bau endlich einen edit button ein, walter.

Anonym hat gesagt…

Habt ihr das Blatt je gesehen? Sensationell, dass man so ein mieses Layout auf die Menschheit loslässt.

Anonym hat gesagt…

Nachdem in allen anderen Sparten die Sportförderung also offensichtlich nichts gebracht hat, sollte man einmal versuchen die Sportförderungen den American Football Clubs zukommen zu lassen!

Anonym hat gesagt…

bau endlich einen edit button ein, walter.

Wir haben noch keinen, er jedoch schon:

Grazer HTLs! Das Plural s in HTLs steht hier für Lehranstaltens?

Wenn du dir den Satz noch einmal durchliest, dann wirst du mit sicher heit das wichtige Detail "FRAGEZEICHEN" (=?).
Daraus kann man schließen, dass er auf einen Fehler der Autoren der Beschriebenen Gratis-Zeitung gemeint waren, oder etwa nicht?


Also: NEIN!!!

BTW: Wollte doch nur den Herrn "Walter" drauf aufmerksam machen, dass er einen kleinen Tippo eingebaut hat... dass man sich drüber gleich so aufregt, find ich genauso lustig wie deinen genialen Namen: "der einen wolf tanzt" - ...musst du mir mal erklären... bin wahrscheinlich nicht intellektuell genug, um das lustig zu finden!!!

Anonym hat gesagt…

bevor jetzt der vernichtende Schlag kommt:

der sich einen wolf tanzt -
find ich auch net witzig...

Anonym hat gesagt…

Wegen Deines "lustigen" Kommentars werde ich doch glatt zum "der sich einen Ast lacht"...

Grazer Football hat gesagt…

Dere zusammen! also ich sag euch eins des Blatt'l "Graz im Bild" gibts no net so lang und meines achtens nach is des die bescheuertste "Zeitung" (oder wie ma a immer dazu sagen soll)!!!
Da stehen sachen drin die zu 60% sowas von unwichtig, uninteressant und dermasen bescheuert sind, des is echt a wahnsinn!!!
(Will jetzt ka werbung machen ) Aber ich les immer nur zwei "gratis Zeitungen" aus Graz (neben den Tageszeitungen) wer aus graz kommt weis welche ich meine! Ich vertrau diesen zwei und "Graz im Bild" sollte sicher (meines achtens) eher zuerst besser informiere und dann was was RICHTIGES schreiben!

Also dann, bis bald ein Grazer!

winjester hat gesagt…

deinen genialen Namen: "der einen wolf tanzt" - ...musst du mir mal erklären... bin wahrscheinlich nicht intellektuell genug, um das lustig zu finden!!!

Maskulines Mannsbild mit austrainierten, zu breiten, Schenkeln, in gleichbleibender rythmischer Bewegung, die noch dazu, aneinander reiben (in Abwesenheit der Abwechselung), werden zusehends gerötet.
Dies bezeichnet man landläufig als "wolf".
Einsame makrosexuelle (the center is my master!) Individuen können sich diesen "wolf" auch, durch entsprechende wechselseitige Reflektierung, auf der Tanzfläche anerziehen.

der sich einen wolf tanzt hat gesagt…

danke winjester für diese schöne beschreibung.

ich bräuchte aber nun selbst eine kleine hilfestellung:
was/wer ist bitte ein makrosexueller???

wolf

Anonym hat gesagt…

makro bedeutet groß oder weit.
sexuell - geschlechtlich...
so, das könnt jetzt jemand sein, der denkt er hätte... bzw. er denkt nicht nur, dass er einen hätte...
meine definition

hauptplatzkurtl hat gesagt…

Stimmt, Höhere Technische Lehranstalten gibt es nicht. Also wäre HTL richtig. Richtig ist aber in Zeiten, in denen Lesen nur noch ein Zeitvertreib für Eliten geworden ist, wenn mann um die Mehrzahl anzudeuten, bei Abkürzungen, wie PKW, LKW oder eben auch HTL, ein (eigentlich überflüssiges) Mehrzahl-S dazu schreibt, damit selbst Schnellleser oder Analphabeten sofort merken: da gehts um zwei Schulen.
Und ja: Was den Rest der Reiter’schen Ätz-Zeilen betrifft: Besser ist noch immer eine Boulevardzeitung mit solchen Themen als eine mit Steuergeldern finanzierte „Qualitätszeitung”, die jene, die sie mit sich rumtragen, meist ohnehin nur aus Imagegründen abonniert haben.